#florenzgoeswindows

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In einem meiner letzten Posts ging es um macOS Apps und die Historie meiner Apple Geräte. Und darum dass sich bei mir etwas ändern wird. Und genau dass ist jetzt eingetreten - seit nun ca. 8 Wochen bin ich nun wieder Windows Nutzer.

(Achtung, hier kommt meine subjektive Meinung. Sie muss nicht zwangsläufig der eurigen entsprechen, sondern eher meiner Wahrnehmung. Sollte dich Apple Kritik jeglicher Art also in irgendeiner Art in deiner Befindlichkeit verletzen, überspringe bitte diesen Abschnitt. 1)

"Was?"

Die Frage lässt sich mit einer Gegenfrage beantworten: "Welche Innovationen hatte macOS in den letzten Jahren - die nichts mit einer tieferen iOS Integration zu tun hatten".

Der Desktop wird von Apple nur noch stiefmütterlich behandelt - das Lieblingskind lautet eindeutig iOS. Und dadurch werden diejenigen zurückgelassen die Apple seit vielen Jahren treu sind, die "Kreativen" und "Professionals".

Laut Bloomberg hat Apple das Mac Entwicklerteam stark verkleinert und u.a. in das iOS Team integriert. Mit dem Ergebnis dass sich Innovationen auf iMessage Sticker und auf ein wenig hilfreiches Siri beschränken 2. Als Nicht-iPhone Nutzer gibt es inzwischen eigentlich keinen Grund mehr macOS upzudaten.

Nicht falsch verstehen: Apple's Macbook ist immer noch ein zuverlässiges Gerät für Entwickler. Dies ist aber weniger Apples Verdienst, sondern viel mehr ein Verdienst der Community. Alleine die Package Manager wie Brew, npm oder yarn sorgen dafür schnell etwas auf einen Apple Gerät zu installieren. Auf Windows Ebene war es immer etwas zu kompliziert. Und zwar laufen die oben genannten Package Manager auch alle auf Linux, vielen Entwicklern ist Linux allerdings zu umständlich bzw. schwirrt hier immer noch das Klischee des "Hacker-Fummel-OS" in den Köpfen.

Nachdem Ende letztem Jahres (Ende 2016) - nach einem ungewöhnlich langem Produktzyklus - die neuen Modelle vorgestellt worden sind, hatte ich genug. Das Pro Modell konnte sich kaum noch mehr als solches bezeichnen. Fehlende Leistung, Adapterdongle Hoelle und ein viel zu hoher Preis konnten mich nicht überzeugen.

  • Neben einem nur leichten Hardware Upgrade hat man den Fokus auf eine Touchbar gelegt, deren Nützlichkeit durchaus bezweifelt werden kann 3. Ein fluider Tipper muss immer wieder die Augen vom Bildschirm nehmen um auf die Tastatur zu schauen.
  • Der Wechsel auf USB-C war zu kompromisslos - das Verlangen diverse Dongles mit mir herumzutragen ist bei mir zu gering. Es wäre nicht wirklich schlimm gewesen wenn mind. ein Legacy USB Port geblieben wäre. Auch gehöre ich scheinbar zu den aussterbenden Snowflakes die gelegentlich noch eine SD Karte auslesen (z.B. fuer Video Material) 4.
  • Die dazugehörige Preiserhöhung 5 hat dementsprechend meine Zweifel bestärkt ob macOS wirklich mein Betriebssystem ist. Die Hardware hängt hinter aktuellen Standards hinterher, Festplattenspeicherplatz ist zu teuer und Upgrades machen dieses ohnehin sehr teure Produkt zu einer nicht mehr zu rechtfertigen Ausgabe. Mit meinem bisherigen Zweifeln an macOS und Apple sehe ich nicht mehr ein nur für macOS mehr Geld zu zahlen als vergleichbare Hardware auf Windows/Linux Basis.
  • MagSafe. Weg.

Ich weiss jetzt: Ich bin nicht mehr die Zielgruppe. Die Zielgruppe ist jetzt eine andere. Leute, die dünne Devices und obskure Gimmicks mögen 6. Dies ist für mich noch unverständlicher, da für diese Zielgruppe bereits das Macbook Air bzw. der inoffizielle Nachfolger das Macbook existiert. Die MacBook Pro Kundschaft ist - aus meiner Sicht - eher interessiert an: Stabile, wertige Verarbeitung, Leistung, Up-to-date Hardware, Flexibilität. Dann wäre ich auch bereit einen Preis zu zahlen, der dem entgegenkommt was Apple verlangt.

Extrem Beispiel: nehmen wir die Thinkpad Serie: Diese von IBM erdachte Laptop Linie - die inzwischen von Lenovo vertrieben wird - ist nicht für grosse Eleganz bekannt. Die Gehäuse sind sperrig und bei weitem nicht elegant. Sie sind nicht flach, oder besonders leicht. Dieser rote "Mausknubbel" erst...

Aber:

  • Sie bieten Leistung, sind lange nutzbar und einfach upzugraden.
  • Es ist ist genug Platz für Anschlüsse vorhanden und wird dafür auch genutzt.
  • Die Tastatur ist hervorragend und das Touchpad nicht so schlimm wie es von aussen aussieht.
  • Die Geräte sind zuverlässig und sollen quasi ewig halten.

Ich hab mit einigen Thinkpad Nutzern gesprochen und wirklich niemand hatte etwas an diesen Geräten auszusetzen, würden sich sogar wahrscheinlich wieder für ein Thinkpad entscheiden. 7

Dass sind alles Eigenschaften die ich mir von einem modernen MacBook Pro wünschen würde. Gerne würde ich behaupten, dass die Hardware die ich in den vergangenen Jahren auch diese Eigenschaften hätten. Kann ich aber leider nicht.

(Ok, genug gerantet. Dieser Abschnitt ist viel länger als ich eigentlich beabsichtigt hatte. Vielleicht musste es wohl einfach mal raus.)

"Ok, verstanden, zu teuer, zu wenig Innovation, fühlst dich nicht mehr wertgeschätzt, blah blah blah - aber warum Windows?"

Ich bin ca. 2005 von Windows auf OSX gewechselt, Windows XP war einfach nicht mehr benutzbar. Das System war altbacken, umständlich und nervig. Ein Windows Vista hat meine Meinung noch bestärkt und ich dachte dass ich dieses Betriebssystem niemals vermissen werden.

Aber über Umwege habe ich Windows dann doch noch eine Chance gegeben: Irgendwann um 2010 herum habe ich wieder angefangen mich mit Gaming auseinanderzusetzen. Als mir irgendwann die Leistung der XBOX360 nicht mehr reichte, habe ich mir einen eigenen PC gebaut. Und so hat es Windows wieder in meine Leben geschafft. Zwar habe ich die Windowsoberfläche nicht zu wirklich mehr genutzt als meine Maus auf das Steam Icon zu bewegen und einen beherzten Doppelklick aufzuführen, aber dennoch ist mir aufgefallen dass sich einiges geändert hat. Meine Vorurteile wie bspw. dauerhaftes Treiberupdaten und einer schlechten UI und Nutzerführung wurden überraschenderweise nicht bestätigt. Und auch der oft zitierte Windows 8 Hammer mit zwei Stilen war nicht mehr so präsent. 8. In der Tat war ich mit der Usability von Windows 10 sogar sehr zufrieden.

Der CEO Wechsel von Steve Ballmer zu Satya Nadella hat scheinbar etwas verbessert: Surface Pro, SurfaceBook oder Surface Studio. UWP Apps scheinen ein weiterer Schritt in die richtige Richtung zu sein. Und mit der Fluent Design Language scheint Microsoft einen brauchbaren Counterpart zu Google's Material Design geschaffen zu haben.

Microsoft scheint etwas anders zu machen: Zum Guten hin.

Arbeiten auf Windows konnte ich mir aber dennoch nicht vorstellen. Denn die Windows Kommandozeile war immer noch die Windows Kommandozeile. Anstrengend. Bash bzw. Zsh war schon zu sehr Teil meines Lebens um mich von dieser zu trennen. Oder ein Leben ohne Homebrew - unvorstellbar. Und mit etwas wie Chocolatey kann ich mich nicht anfreunden.

Dass hat sich seit letztem Jahr (2016) geändert - dem Jahr in dem die Hölle eingefroren ist - Microsoft hat das Windows Subsystem for Linux (WSL) vorgestellt. Das Feindbild aus den 90ern und frühen 2000ern wurde tatsächlich in Windows eingebettet. WSL erlaubt es, sehr vereinfacht ausgedrückt, eine auf native Ubuntu Installation und deren Werkzeuge zuzugreifen. Noch einfacher: Alles was bislang nur auf Linux und macOS funktionierte, funktioniert nun auch auf Windows mit WSL. Und dass mit einer Performance die sich scheinbar kaum von einer nativen Ubuntu Installation unterscheidet. Windows hat sich damit aus meiner Sicht zu einer adequaten Entwickler Umgebung etabliert. Ohne VM, ohne DualBoot.

Die Installation eines WSL ist denkbar einfach, inzwischen nicht mehr nur über einer versteckte Entwickleroption verfügbar und demnächst dann auch direkt über den Windows Store herunterladbar - Windows Insider Nutzer können dies bereits jetzt. So ist es beispielsweise möglich Ubuntu, OpenSuse oder Fedora parallel zu nutzen.

Das Starten einer WSL Umgebung dauert nicht länger als das Öffnen irgendeiner App. Und sobald diese gestartet ist, ist fast alles verfügbar, was auch auf Ubuntu in der Kommandozeile zu haben ist. Wird das Fenster geschlossen ist von Linux auch nichts mehr über. Abstürze oder ähnliches habe ich bislang noch nicht erlebt. Dafür dass WSL noch Beta Status hat, läuft es sehr stabil.

WSL kann mit Ubuntu, Fedora und OpenSuse

"Was denn jetzt? Windows oder Linux?"

Einige Linux Enthusiasten werden mich jetzt wahrscheinlich verurteilen, aber ich sehe grosses Potential hier drin. Vorerst werde ich nun nur mit Windows und WSL (Ubuntu) arbeiten. Das einzige Werkzeug was ich unter Linux regelmässig und uneingeschränkt nutze ist das Terminal. Zwar mag ich es ein OS zu entdecken, nach meinen Vorstellungen zu tweaken und anzupassen. Aber - ein Windows System hat nun auch Vorteile, bspw. eine sehr gute Auswahl an Software - welche out of the box funktioniert oder optisch schon hübschere Oberflächen - erwähnte ich schon fluent design?
Sollte ich dann merken dass ich doch zu starke Einschränkungen spüre, werde ich recht einfach auf Linux wechseln können. Die ersten zwei Monate verliefen aber schoneinmal problemlos.

Wir werden sehen.

(Achja, #florenzgoeswindows ist eindeutig inspiriert durch die grossartige Serie #davegoeswindows von Dave Rupert. Ähnlich wie er habe ich vor mehrere Artikel zu dem Thema zu posten.)

  1. Der Fachbegriff hier lautet: Triggerwarnung. Leider sind wir in einer Zeit, in der so etwas wohl notwendig ist. Ich hab in der Vergangenheit schon öfter anderen Menschen gegenber erwähnt dass ich nicht mehr mit Apple glücklich bin. Die Reaktion ging von Ungläubigkeit, über Belächelung bis hin zu langen "Apple ist so ziemlich das beste seit Geschnitten-Brot"-Diskussion. Apple, Microsoft und Google sind Milliardenschwerde Unternehmen. Es sollte einem immer bewusst sein, dass die Liebe hier nur einseitig ist. Ausserdem - naja - es sind Dinge.
  2. Positiv anzumerken sind die nativen Tabs - die ich inzwischen schon fast wieder vergessen habe
  3. Um fair zu sein - ich selber habe das Touchpad vielleicht 5 Minuten benutzt. Ganz sicher nicht genug Zeit um einen ausführlichen Eindruck zu bekommen. Was mich aber schnell störte ist, dass die Escapetaste nicht bündig mit der Tastatur sitzt, ich also mein Muscle Memory anpassen muss. Auch fehlte mir eindeutig das haptische Feedback. Von anderen Nutzern habe ich gehört dass die Touchbar den Arbeitsfluss eher stört als verbessert
  4. Ich denke dass Apple demnächst auch "Courage" auf dem Macbook zeigen wird. Der Klinkeneingang ist mir immer noch wichtig. Es ist nichts verkehrt mit Klinke. Kopfhörer sind ein Produkt was für Jahre gekauft wird, nicht bis zum naechsten Produktupdate. Ein Klinkeneingang nimmt wenig Platz weg und verdient zu bleiben. Auch ist die Verbreitung von kabellosen Kopfhörern einfach zu gering. Zugegeben, vielleicht bin ich hier auch auf der "Faster Horses"Seite
  5. Inzwischen hat Apple die Macbooks nocheinmal überarbeitet und setzt auf Intel Chips der 7. Generation (Kaby Lake) - rechtfertigt aber noch immer noch das 2700 Euro Preisschild für ein 15" Gerät. Für ein Gerät dessen Komponenten verklebt statt verschraubt sind und ein Upgrade somit eher ein Neukauf ist.
  6. Vermutlich kann ich hier auch das Wort "Statussymbol" verwenden, aber bei der Fülle an Macbookbesitzern ist es eigentlich nichts besonderes mehr ein MBP zu nutzen. Think Different ist vorbei.
  7. Disclaimer: Ich habe nie wirklich ein Thinkpad genutzt, kann also nur die Meinung anderer wiedergeben.
  8. Zwar frag ich mich noch immer wieso die Windowseinstellungen in zwei unterschiedlichen Menüvarianten verfügbar sind, aber auch dass scheint sich langsam zu verbessern