Digital Minimalism - Cal Newport

March 31, 2021

(Der Text ist viel länger geworden als geplant, und ist noch nicht wirklich Probe gelesen, wollte ihn aber endlich schnell veröffentlichen da ich gerade einen Bücher Rückstau habe, den ich hier gerne in Textform abarbeiten würde. There will be Errors and seltsame Sätze.)

Ca. im Jahr 2005 - ein Jahr dass mir garantiert nicht vorkommt als wäre es 15 16 Jahre her - war ich bei einer Bekannten zu Besuch. Und diese zeigte mir das ganz große neue Ding. StudiVZ. Ein soziales Netzwerk dass Studenten miteinander verbinden sollte. Man konnte sich anmelden und ganz plötzlich war man mit Kommilitonen verbunden, diese konnte man "gruscheln".

Zusätzlich konnte man nach Leuten auf der Uni (oder anderen Unis) suchen und sah über diverse Verbindungen über wieviele Ecken man jemanden kennt. Wahnsinn. Der Beginn des Social Media [1]!

Digital Minimalism by Cal Newport

War wir nicht wussten - uns aber eigentlich auch egal war - StudiVZ war ein Klon einer amerikanischen Webseite - thefacebook.com. Kannte in Deutschland keiner, und diesen Umstand hat sich damals StudiVZ zum Vorteil gemacht und einfach alles schamlos geklaut [2].

Spulen wir 15 Jahre vor. StudiVZ ist nur noch ein Witz den jeder gelegentlich in die URL Zeile des Browsers eingibt - nur um zusehen ob es noch existiert und um über den sinnfreien Beitrag des Bekannten 5. Grades in der Buschtrommel Box zu sehen, welcher unbedacht vor 10 Jahren witzig gemeint war.
Facebook dominiert inzwischen den Weltmarkt, kaufte Apps wie Instagram und Whatsapp und ist eins der lukrativsten Unternehmen der Welt. Facebook ist mehr als eine Social Network. Es ist ein Shop, eine Werbeplattform, eine Datenkrake, ein Spieleentwickler (inkl. Hardware), ein Tech Gigant. Zwar ist die Jugend nicht mehr auf Facebook, dafür aber deren Eltern [3]. Mit Facebook werden Wahlen beeinflusst und Verschwörungstheorien gepusht. Facebook ist nicht mehr ein cooles Unternehmen - Facebook ist (zumindest aus meiner Sicht) eines der größten Probleme der Welt geworden.

Wobei Facebook nicht das Problem ist - das wahre Problem ist, dass Social Networks wie Facebook, Twitter, Instagram auf einem Hack beruhen. Einen Feedback-Belohnungs Hack. Den User belohnen, mit Notifications und einem vermeintlichen Mehrwert, mit anscheinend tiefen Unterhaltungen, sowie die Gewissheit dass man jetzt mit allen Verwandten, Freunden und Bekannten xten Grades ja verbunden ist und immer nur einem Like entfernt ist um bei deren Leben teilzuhaben. Wir unsere Meinungen jederzeit teilen können - mit 687 verschiedenen Leuten - die wir größtenteils nicht kennen, aber deren Fav und Retweet uns mehr wert ist als ein Mindestlohn im Servicebereich. Darüber können wir dann ja auf Clubhouse diskutieren. Und das alles in unserer Hosentasche. Immer. Überall.

Digital Minimalism

Hier kommt "Digital Minimalism" ins Spiel. Cal Newport - von einigen als Prophet der digitalen Welt gesehen [4] - zählt in dem Buch wunderbar all die Gründe auf kein Social Media zu nutzen, oder zumindest so zu nutzen dass man einen Nutzen daraus erzielen kann, ohne ins DoomSwiping und Scrolling zu gelangen. Garniert mit Beispielen aus der Weltgeschichte und seiner eigenen Leser. Alles ergibt Sinn, es passt.

Nach der einführenden Definition von "Digital Minimalism" gehts weiter mit praktischen Tipps. Spaziergänge machen - ohne Telefon, Nicht auf Likes klicken, Social Networks bewusst nutzen, sich Stück für Stück sein Leben zurückholen - ohne Bildschirme. Das wars - 5 Sterne. Wirklich.

Sofern ihr merkt dass Apps euch eure Freizeit stehlen und euch wieder 30 Minuten fehlen weil euch euer Twitter oder Instagram Feed ins Doomswiping getrieben habt (obwohl ihr nur das Wetter schauen wolltet), dieses Buch wird keine schlechte Investition sein. \

Und jetzt?

Und jetzt nach etwas über 30 Tagen ist dies mein aktueller Stand an Entwicklungen:

  • Generell wird mein Smartphone nicht mehr am Bett oder im Schlafzimmer geladen. Distracting Apps werden entweder gelöscht, deinstalliert oder mit einem (Android) Digital Wellbeing Timer versehen, d.h. ich erlaube z.B. Instagram nur 5 Minuten am Tag. Genug Zeit um ein Bild hochzuladen.
    Das Telefon bleibt größtenteils im DnD Modus (entdeckte bei meinem Pixel 5 dass ich hier einfach nur das Display zur Tischseite drehen musste, praktisch).

  • Mein Smartphone wird ist ab 22 Uhr mehr oder weniger nur noch ein Device für die Uhrzeit und das Einspeichern von Erinnerungen für den nächsten Tag. Mein Plan es nicht mehr im Schlafzimmer mitzunehmen ist gescheitert, was aber nicht schlimm ist, da dort eigentlich nichts mehr Ablenkbares zu finden ist und meine Einschlafprobleme stark abgenommen haben [5].

  • Facebook hatte ich noch nie als App, fand es immer relativ unspannend und das Konto ist auch seit einiger Zeit gelöscht. Kein Problem.

  • Reddit: Reddit ist vermutlich meine Nummer 1 Addiction. Ich liebe Reddit. Aus meiner Sicht kein Reddit ist so gut wie alles, egal welches Thema mich gerade interessiert, ich finde dort vermutlich ein paar Enthusiasten und Inspirationen. Ich glaube fast dass ich aus Reddit Value erziele. Nur vermutlich nicht mit der Zeit die ich investieren. Es ist vermutlich ungesund Reddit in jeder freien Minute zu konsumieren. Morgens nach dem Aufstehen, Abends vor dem Einschlafen, dazwischen in jeder Situation. Das ist eindeutig zuviel. Deswegen ist Reddit jetzt nicht mehr auf meinem Smartphone. Es ist ungewohnt. Sehr ungewohnt. Aber definitiv notwendig.

  • Instagram: Mein Instagram Feed selbst ist nur eine Ansammlung von Wolkenformationen, seltsam ausgeleuchtete Straßen und obskure Motive. Was wirklich schlimm ist, und deswegen eindeutig Kategorie "Giftschrank" - Stories. Man kann locker 30 Minuten oder länger einfach random Stories oder Reels anschauen. Und das schlimmste ist - es interessiert mich nichtmal - ich sehe direkt dass das alles hier eine große Zeitverschwendung ist. Aber trotzdem - ein Video noch. Ein Hoch auf UI Designer. Ich hasse euch.
    Und trotzdem hab ich es auf mein Handy gelassen. Ich würde trotzdem noch weiterhin Wolkenformationen, ausgeleuchtete Räume und Strassen, sowie obskure Motive irgendwo hochladen. Für mich. Dafür hab ich einen Digital Wellbeeing Timer von ca. 5 Minuten, das erlaubt kein Story Doomswiping. Und ja, Instagram hat es wirklich verdient eigentlich als erstes gelöscht zu werden. Naja.

  • Twitter: Irgendwie mag ich Twitter, mich interessiert was die Leute dort schreiben. Twitter war immer ein besseres Social Network als Facebook (was garnicht in dieser Aufzählung auftaucht, FB ist seit einiger Zeit weg). Aber auch in einem Twitterfeed kann man sich verlieren - eh' man sich versieht hat man auch hier zuviel Zeit verbracht, sich aufgeregt, Dinge "für später" gefavt (und nie wieder angeschaut) usw. Und am Ende ist es egal, am nächsten Tag interessiert sich keiner mehr für die Aufreger des Vortags. Nur das eigene Profil ist eine Auflistung von Snapshots Beiträgen zu "sehr wichtigen Themen".
    Twitter ist von meinem Smartphone geflogen und auch aus allen Desktop Applikationen ausgeloggt.

  • Twitter: Hier stand ein Text dass ich Twitter vermutlich irgendwie vermissen werden, aber nach gut 30 Tagen ohne Twitter App und nur Konsum nach externer Verlinkung - ich vermisse es garnicht. All' die Aufreger und Shitstorms sind etwas was so mal überhaupt nicht in meinen Leben fehlt.

  • Netflix & Co.: Schaue ich gerade kaum noch. Aktuell interessiert mich einfach nichts. Tja. Bisschen Doof eigentlich das Abo zu behalten. Zumindest hab ich den Vorsatz kein Netflix mehr "einfach so" zu starten, nur noch gezielt.

  • YouTube: Abos stark aufgeräumt, waren es vorher wenige, sind es jetzt halt noch weniger. Nutze es eigentlich nur noch am Fernseher für Nachrichten (weil ich die 20 Uhr Tagesschau verpasst habe) und Musik. Und wo wir schon dabei sind...

  • News: Irgendwann war mir mal wichtig dass ich mich weit und aus verschiedenen Medien informiere. Das umfasste auch alle möglichen Newsseiten von Taz, Spiegel, FAZ, Zeit. Das ist vorbei. Mir reichen kurze 100 Sekunden Newspodcasts am Morgen und die Tagesschau um 20 Uhr. [6]

  • Steam: Mein Gamingkonsum ist in den letzten Monaten so stark zurückgegangen (vielleicht mit einer Ausnahme von Cyberpunk 2077 und der Entdeckung von Dyson Sphere Program), dass ich hier aktuell wirklich kein Problem habe. Ehrlich. Ich kann jederzeit Aufhören.


  1. Ja, es gab damals auch Seiten wie Friendfeed oder MySpace, aber es war nicht dasselbe. Friendfeed war eher in den USA zuhause, MySpace zwar international, verbarg sich aber hinter ein so schlechten UX (es gab bestimmt Gründe warum danach NIE wieder eine Social Network es erlaubt hat sein Profil mit HTML anzupassen) dass es praktisch jeden abgeschreckt hatte, der nicht gerade in einem Emo Kult (Eine interessante Subkultur mit auftoupierten Haaren, Makeup und sehr viel karierten Vans Slippern, vornehmlich anzutreffen am Samstag Nachmittag am Bremer Hauptbahnhof) beigetreten ist. ↩︎

  2. Wenn ich mich richtig erinnere, hieß selbst die CSS Datei facebook.css ↩︎

  3. Die Jugend ist inzwischen zu den Untermarken wie Instagram abgewandert ↩︎

  4. Hallo Marcel ↩︎

  5. Vielleicht liegts am Handy nicht benutzen? Oder am Melatonin? Vielleicht auch an meiner Einschlafplaylist. Ist ganz gut. ↩︎

  6. Wenn jetzt irgendwer meint mir wütende E-Mails schreiben zu müssen die die Worte "Staatsfunk" und "Lügenpresse" beinhalten, bitte sehen Sie davon ab, schließen Sie den Browertab und vergessen Sie jemals hier gewesen zu sein. Gerne auch etwas das eigene Verhalten reflektieren. Danke. ↩︎