
Ouh, ein neues Sanderson-Buch – das letzte ist ja schon mehr als ein halbes Jahr her. Also, was haben wir hier:
Einordnung
Zum einen ist Isles of the Emberdark ein weiteres Buch aus Sandersons inzwischen ikonischem Secret Projects-Drop. Und dann ist es auch noch ein Cosmere-Buch – es spielt also in seinem buchserienübergreifenden Universum mit dem gleichen Namen. Und schlussendlich ist es auch noch eine Fortsetzung zur Kurzgeschichte „Sixth of the Dusk“ aus der Arcanum Unbounded-Anthologie.
Der Autor sagt am Anfang selbst, dass es schwierig ist, eine direkte Fortsetzung zu einer Geschichte zu schreiben, die die wenigsten gelesen haben werden, weswegen eben diese Geschichte als Flashbacks im ersten Teil des Buches noch einmal eingebunden ist. Was jetzt nicht heißt, dass es für sich alleine steht. Im Gegenteil: Dies ist ein Buch, mit dem nur wenige Autoren durchkommen, da es aus meiner Sicht die aktuelle Ausgangslage der großen Cosmere-Buchserien inkl. Spin-offs benötigt. Kurz: Es ist ein Fan-Service.
Ebenso wie Tress of the Emerald Sea oder The Sunlit Man ist es sehr stark in das Cosmere verwoben. Mehr noch, es ist sehr weit hinten in der aktuellen Timeline angesiedelt.
Ich glaube, man sollte zumindest folgende Bücher gelesen haben, um wirklich alle Referenzen zu verstehen oder um nicht gespoilert zu werden:
- Die Stormlight Archive-Serie,
- die Stormlight-Novelle Dawnshard,
- Mistborn Era 1 und Era 2,
- Mistborn: Secret History und Shadows for Silence in the Forests of Hell, beide in Arcanum Unbounded gesammelt,
- sowie Tress of the Emerald Sea.
Man sollte also seine Hausaufgaben gemacht haben. Dafür wird man auch belohnt, denn es gibt Highlights: Zum einen wird – meines Wissens nach – zum ersten Mal wirklich etwas über Yolen und seine Bewohner erzählt – ein Ort mit signifikanter Wichtigkeit für das Cosmere. Und dann noch: Da die Geschichte am Ende der Timeline spielt, wird auch Bezug auf Ereignisse genommen, die noch nicht einmal passiert sind. Vage Andeutungen, eher Teaser als Exposition, aber dennoch ziemlich cool. Aber nur, sofern man wirklich ganz tief im Cosmere drinsteckt. Erwähnte ich den Fanservice?
Handlung
Die Story ist – wie gesagt – eine direkte Fortsetzung einer Kurzgeschichte. Die Geschichte selbst handelte von einem Trapper, der sich durch eine gefährliche Dschungelinsel schlägt, und behandelte Chancen und Gefahren durch technischen Fortschritt für bestehende Traditionen [1]. Dieses Buch spielt jetzt fünf Jahre später [2], und der ehemalige Protagonist der Abenteuergeschichte findet sich nun in der ersten Hälfte eher in einem Buch über Politik, Kolonialisierung und Science-Fiction wieder.
Protagonist Dusk findet sich in einer Welt wieder, die keine Insel-Trapper mehr braucht; diese läuft aber Gefahr, zum Spielball von Großmächten zu werden, weswegen er sich auf die Reise in das namensgebende Emberdark begibt, um die Vergangenheit seines Volkes und ein Mittel zur Verteidigung zu finden.
Und?
Wie man lesen kann: Das Buch fordert schon viel Vorwissen. Immer wieder musste ich nachschlagen oder mich erinnern, ob ich nicht den einen oder anderen Namen schon einmal gehört habe, wer erwähnte Personen waren, begleitet von einer stetigen Angst, gerade etwas Wichtiges nicht zu verstehen. Sandersons Cosmere ist inzwischen so stark gewachsen, dass die einstige Prämisse, man könne die Buchserien auch selektiv ohne Vorwissen lesen, nicht mehr gilt [3].
Dennoch fühlte ich mich am Ende belohnt, auch wenn es sich ein bisschen wie ein Teaser für Zukünftiges angefühlt hat.
Und: Ich hoffe, dass die kommende Mistborn Era 3 den Cosmere-Ansatz wieder etwas entschlackt.